Seeschlacht von Santa Cruz (1657)

Seeschlacht von Santa Cruz
Das Flaggschiff The George während der Schlacht, Gemälde von Charles Dixon aus dem Jahr 1901
Das Flaggschiff The George während der Schlacht, Gemälde von Charles Dixon aus dem Jahr 1901
Datum 30. April 1657 [1]
Ort Santa Cruz de Tenerife
Ausgang Englischer Sieg [2]
Konfliktparteien

Spanien 1506 Spanien  Spanien

Flag of The Commonwealth.svg Commonwealth of England

Befehlshaber

Spanien 1506 Spanien Capitán General Diego de Egües y Beaumont [3]
Spanien 1506 Spanien Capitán General Alonso Dávila y Guzmán

Flag of The Commonwealth.svg General at Sea Robert Blake
Flag of The Commonwealth.svg Captain Richard Stayner

Truppenstärke
2 Kriegsschiffe mit je 32 Kanonen und je 250 Mann Besatzung
14 Handelsschiffe [4]
99 Kanonen an Land [5]
6.000 Milizsoldaten an Land [6]
28 Kriegsschiffe mit insgesamt ca. 1.000 Kanonen
Verluste

alle Schiffe versenkt, gestrandet oder verbrannt
300 Mann getötet oder verwundet

mehrere Schiffe stark beschädigt
50 [2]–60 Mann getötet
120 [2]–200 Mann verwundet [7]

Die Angaben über die Truppenstärken und die Verluste weichen in der Literatur deutlich voneinander ab.

Die Seeschlacht von Santa Cruz vom 30. April 1657 [8] fand während des Englisch-Spanischen Krieges (1655–1660) in der Bucht von Santa Cruz de Tenerife statt. Die Schlacht war keine Seeschlacht im engen Sinn. Die Kampfhandlungen fanden im Hafen statt. Die Spanier verteidigten sich vor allem durch die Befestigungsanlagen an Land. Der englischen Flotte gelang es, durch den Einsatz von 28 schwer bewaffneten Kriegsschiffen, 14 – nicht mit Kanonen bewaffnete – Handelsschiffe, die ihre Ladung gelöscht hatten, und zwei bewaffnete Kriegsschiffe zu versenken.

Vorgeschichte

Die Angreifer

Robert Blake

Der Englisch–Spanische Krieg war ein militärischer Konflikt zwischen dem Commonwealth of England und dem Königreich Spanien in den Jahren 1655 bis 1660. Im Jahr 1655 hatte die Englische Flotte unter dem Kommando von General at Sea Robert Blake den Hafen von Cádiz belagert in der Hoffnung, die aus Amerika kommenden Schiffe der Silberflotte abzufangen. Da die Silberflotte in diesem Jahr aber nicht abgefahren war, blieb das Unternehmen erfolglos. Im Jahr 1656 segelte eine aus acht Schiffen bestehende Silberflotte von Havanna in Richtung Cadiz. Am 19. September griff ein Geschwader der Englischen Marine unter Kapitän Richard Stayner die Schiffe an, kurz bevor diese ihr Ziel erreicht hatten. Zwei spanische Schiffe wurden versenkt, zwei Schiffe verbrannten, zwei Schiffe konnten mit ihrer Ladung von den Engländern erobert werden. Der Wert dieser Ladung wird von englischer Seite mit 3 000 000 Pfund angegeben. [9] Zwei Schiffe erreichten den Hafen von Cadiz. [10] Die Belagerung des Hafens von Cadiz durch die Englische Flotte wurde das ganze Jahr 1656 über fortgesetzt.

Als Blake Ende des Jahres 1656 erfuhr, dass ein Teil der spanischen Silberflotte von Havanna in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen war, segelte er mit einer Flotte aus 28 Schiffen nach Süden. Am 28. April war die Insel Teneriffa in Sicht. Die englischen Schiffe waren jeweils mit wenigstens 30 Kanonen ausgestattet. Einige Schiffe verfügten über mehr als 60 Geschütze. [4]

Die Verteidiger

Verlauf der Fahrt des spanischen Konvois

Am 10. März 1656 verließ ein Geleitzug der Silberflotte, der aus 28 Schiffen bestand, den Hafen von Cadiz mit dem Ziel Veracruz (Veracruz). Kommandant der Flotte war der Generalkapitän Diego Egües y Beaumont, sein Stellvertreter Admiral José Centeno. Bei den Schiffen handelte es sich um vier Kriegsgaleonen, ein Nachrichtenschiff (Patache), vier Handelsschiffe die mit zwölf Kanonen ausgerüstet waren und außer der normalen Schiffsbesatzung 50 Infanteristen an Bord hatten. Der Rest waren normale, unbewaffnete Handelsschiffe. [11] Ab dem 25. Juni wurden die Schiffe in Veracruz ent- und beladen.

Die Abreise nach Havanna verzögerte sich durch schlechtes Wetter und immer neue Nachrichten über englische Schiffe in den Gewässern vor Kuba. Am 30. August begannen einige Schiffe der Flotte die Rückreise nach Spanien, während die anderen Schiffe in Amerika überwintern sollten. Am 24. Dezember 1656 verließ die Flotte Havanna. Das Ziel war nicht, wie sonst üblich Cadiz. Da der Hafen von einer englischen Flotte blockiert war, sollten die Schiffe die Kanarischen Inseln anlaufen und dort auf weitere Instruktionen warten.

Am 18. Februar 1657 war La Palma in Sicht. Die Flotte lief die Bucht von Santa Cruz de Tenerife an. Der Generalkapitän der Kanarischen Inseln, Don Alonso Dávila y Guzmán empfahl dem Kommandanten der Flotte, Don Diego de Egües y Beaumont die Fracht zu entladen und im Castillo de San Cristóbal in Sicherheit zu bringen. Diego de Egües ging auf diesen Vorschlag vorerst nicht ein, sondern verließ am 26. Februar die Insel in Richtung des spanischen Festlands. Vor Gran Canaria wurde die Flotte von einem Unwetter überrascht, konnte sich aber mit leichteren Schäden zurück nach Santa Cruz de Tenerife retten. Da es neue Nachrichten darüber gab, dass eine englische Flotte von mehr als 60 Schiffen vor der andalusischen Küste kreuzte, beschlossen die Verantwortlichen der Flotte und der Hafenverteidigung die Ladung der Schiffe im Castillo de San Cristóbal zu lagern. Die Schiffe der Silberflotte hatten auf ihrer Rückfahrt von Amerika üblicherweise nicht nur Silber, sondern auch Gold, Perlen, Edelsteine, Leder und Felle, Indigo, Zucker, Koschenille und Tabak geladen. [10] In einem Brief, den Diego de Egües y Beaumont aus dem Hafen an den König schrieb, wies er darauf hin, dass die Schiffe gegen einen Angriff durch eine größere Flotte nicht verteidigt werden könnten. Er hoffte offenbar auf eine Verstärkung, die es ermöglichen sollte, die Ladung sicher zum spanischen Festland zu transportieren.

Darstellung der Bucht von Santa Cruz de Tenerife aus dem Jahr 1699

Der Hafen von Santa Cruz de Tenerife zur Zeit des Angriffs

Santa Cruz de Tenerife war im Jahr 1657 ein kleiner Ort mit 230 Bürgern, was etwa 1.000 Einwohner bedeutet. Der Hafen diente als Fischerhafen und als Umschlagplatz für Güter der Stadt San Cristóbal de La Laguna. Die gesamten Vorgänge wie Handel, Vertragsabschlüsse, Verzollung usw. fanden in La Laguna statt. Die Hauptexporthäfen der Insel waren damals Garachico und Puerto de la Orotava. [12] Der Hafen von Santa Cruz de Tenerife bestand aus einer nach Osten offenen Bucht und einer Mole, an der die Ruderboote anlegen konnten, mit denen die Seeschiffe be- und entladen wurden. Es gab keine Kaianlage, an der Seeschiffe hätten anlegen können. Die Mole wurde von dem Castillo San Cristóbal geschützt.

Der Hafen von Santa Cruz de Tenerife war zu der Zeit trotz seiner geringen wirtschaftlichen Bedeutung der militärisch am besten ausgerüstete Hafen auf den Kanarischen Inseln. Dies ist unter Anderem darauf zurückzuführen, dass der 1650 ernannte Generalkapitän der Kanarischen Inseln Alonso Dávila y Guzmán, der seinen Amtssitz von Gran Canaria nach La Laguna verlegt hatte, sich um die Erneuerung und den Neubau der Verteidigungsanlagen besonders in Santa Cruz de Tenerife bemüht hatte.

Die wichtigste Verteidigungsanlage, das Castillo de San Cristóbal, war mit 19 Kanonen bestückt. Die beiden anderen Castillos, San Juan und Paso Alto, verfügten über sieben bzw. acht Kanonen. Zwischen diesen Festungsanlagen befanden sich Geschützstände (Baterías) mit zusammen 41 Kanonen. Während des englischen Angriffs wurden weitere 24 Kanonen von Land aus eingesetzt. Diese Kanonen waren von den Handelsschiffen geholt und im nordöstlichen Teil der Verteidigungslinie eingesetzt worden. Es handelte sich also um insgesamt 99 Geschütze. Davon waren aber einige aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht in der Lage an den Kampfhandlungen teilzunehmen. [5] An anderer Stelle wird nur von 64 Geschützen ausgegangen. [4]

Zur Zeit des Angriffs lagen außer den zwei Kriegsschiffen und den neun Handelsschiffen der Silberflotte fünf weitere Handelsschiffe im Hafen.