Pflanzenschutzmittel

Unimog 427 bei der Ausbringung eines Pflanzenschutzmittels
Die Applikation eines Pflanzenschutzmittels kann auch in der Nacht erfolgen, wenn während des Tages der Wind zu stark ist oder die Tagestemperatur zu hoch ansteigt.

Pflanzenschutzmittel (PSM) sind – umgangssprachlich ausgedrückt – Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmittel, die überwiegend zum Schutz von Nutzpflanzen ausgebracht werden bzw. – gemäß EU-Pflanzenschutzmittelverordnung, Artikel 2 – chemische oder biologische Wirkstoffe und „Gemische“ (gemäß REACH-Verordnung), die dazu bestimmt sind,

  • Nutzpflanzen und deren Erzeugnisse vor Schadorganismen zu schützen oder ihrer Einwirkung vorzubeugen (z. B. Insektizide, Rodentizide),
  • in einer anderen Weise als ein Wirkstoff die Lebenswege von Pflanzen zu beeinflussen (z. B. Wachstumsregulatoren),
  • Pflanzenerzeugnisse zu konservieren (Beizmittel für Saatgut und Vorratsschutzmittel),
  • unerwünschte Pflanzen oder Pflanzenteile zu vernichten oder ein unerwünschtes Wachstum von Pflanzen zu hemmen oder einem solchen Wachstum vorzubeugen (Herbizide).

Die Produkte dürfen erst dann vermarktet werden, wenn sie ein Zulassungsverfahren durchlaufen haben.

Zulassungsstelle für PSM in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig.

Zahlreiche endokrinologische Fachgesellschaften sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehen es als erwiesen an, dass viele Pflanzenschutzmittel bereits in geringsten Konzentrationen einen negativen Einfluss auf das menschliche Hormonsystem haben (endokrine Disruptoren) und an der Entstehung von Brust- und Prostatakrebs, Unfruchtbarkeit, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen sowie neurologischen, neurodegenerativen und psychischen Erkrankungen beim Menschen beteiligt sind.[1][2][3]

Insbesondere endokrinologische Fachgesellschaften kritisieren außerdem, dass bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der EU diese negativen gesundheitlichen Auswirkungen nicht ausreichend berücksichtigt werden und das aktuelle Grenzwerte keinen ausreichenden Schutz gewähren würden.[4][1]

Ein weiteres Problem, das durch Pflanzenschutz mit synthetisch hergestellten Pflanzenschutzmitteln entsteht, ist die Gefahr von Resistenzbildungen bei Insekten, Unkräutern und Pilzen[5] gegenüber einzelnen Wirkstoffen. Diese können entstehen, wenn wiederholt identische Wirkstoffe angewendet werden. In der Praxis werden deshalb Spritzfolgen verschiedener Wirkstoffe und Mischungen von Pflanzenschutzmitteln angewendet, was die Risiken für unerwünschte Effekte noch zusätzlich erhöht.[6] Die Hersteller von synthetischen Pflanzenschutzmitteln suchen nach neuen Wirkstoffen mit neuen Leitstrukturen um im Falle auftretender Resistenzen neue Produkte anbieten zu können.[7]

Der umfangreiche Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Rahmen der industriellen Landwirtschaft schädigt in großem Ausmaß Ökosysteme und reduziert die biologische Artenvielfalt.[8] So ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mitverantwortlich für den Rückgang von (Wild)bienen und anderen Insekten, das Vogelsterben sowie die Belastung von Grundwasser und Böden.[6]

Die 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Weltagrarberichts sprechen sich ebenso wie die UNCTAD, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina und viele weitere Fachgesellschaften dafür aus, den Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren bzw. zu beenden. Sie fordern einen Wandel von der aktuell betriebenen und geförderten industriellen, energieintensiven Landwirtschaft hin zu kleinräumiger, ökologischer Landwirtschaft.[9][10][6]